Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat sich die Verbesserung der frühkindlichen Bildung in Deutschland als Ziel gesetzt. Bessere Leistungen im Bildungssystem seien «zur Überlebensfrage für unsere Volkswirtschaft und zunehmend auch für unsere Demokratie geworden», sagte Prien der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. «Für mich ist es eine Schicksalsfrage für Deutschland, die Mittel für die frühe Bildung im System für mehr Qualität einzusetzen.»
Die Situation im Bildungssystem sei dramatisch. Da «die frühe Bildung in der Familie und in der Kita der entscheidende Schlüssel für alle Bildungserfolge ist», müsse frei werdendes Geld durch sinkende Geburtenzahlen in «die Qualität der frühen Bildung» gesteckt werden. Gerade die Bereich Sprache, Motorik und sozial-emotionaler Entwicklung müssten gemeinsam gefördert werden, begonnen bei Kindern mit «besonders förderbedürftigen Ausgangslagen».
«Es geht nicht darum, die Kita zu verschulen», sagte Prien. Ziel sei es, Kindern zu ermöglichen, in einem bestimmten Alter bestimmte Kompetenzen zu erwerben und diese auch zu messen. «Es wird am Ende auch unter den Kitas einen gesunden Wettbewerb geben, bei dem sich das Bessere gegen das Gute durchsetzen wird.»
Leistungen verbessern für die Volkswirtschaft
Prien plant deshalb, «Gelder nur noch unter der Bedingung zu vergeben, dass bestimmte Qualitätsstandards eingehalten werden», wie sie der Zeitung mit Blick auf die Bundesländer sagte. Die Länder hätten 100 Milliarden Euro Sondervermögen zur Verfügung, um den Bildungsbereich, der in ihre Hoheit fällt, zu fördern, dazu gehörten Kita, Schule, Ganztag und Hochschulen. Auch die Lockerung der Schuldenbremse eröffne den Ländern Spielräume.
Zugleich setzt die Ministerin auf bessere generelle Leistungen. «Wir brauchen nicht nur weniger Schüler, die an Mindestanforderungen scheitern, sondern auch eine größere Leistungsspitze», sagte sie. Studien zeigten, dass es «gewaltige positive volkswirtschaftliche Auswirkungen hätte, wenn man sich Bildungsziele setzte, die etwa dem entsprächen, was wir seit 2012 an Leistungsfähigkeit verloren haben». Daraus könne Deutschland viel Geld gewinnen.
Expertinnen sehen im deutschen Bildungssystem viel Ungleichheit. Dem Nationalen Bildungsbericht von 2024 zufolge ist es in allen Altersgruppen ungerecht. Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund würden nicht gut integriert, und nicht ausreichend einbezogen, um das Niveau von Kindern aus gut situierten Elternhäusern zu erreichen. Auch Kinder aus großen Familien, alleinerziehender und weniger gebildeter Eltern sind weiterhin benachteiligt. Akademikerkinder machen noch immer mehr als dreimal häufiger einen Hochschulabschluss als Kinder von Nichtakademikerinnen. Zudem fehlt es dem Bericht zufolge an ausgebildetem Bildungspersonal in allen Bereichen, das dürfte sich zudem weiter verschärfen.